Tag 8: Auf den Spuren der Pilgerväter

Du bist hier: Tag 8 von 30 der Reisebeschreibung „Rundreise USA NORDOSTEN“

Besuch von Plymouth und Plimoth Plantation

Fahrstrecke:
Sandwich -> 19 Meilen -> Plymouth -> 1 Meile -> National Monument to the Forefathers -> 4 Meilen -> Plimoth Plantation -> 45 Meilen -> Foxboro -> ca. 30 Meilen -> Hotel (1. Nacht in Boston)

Am heutigen Tag besuchst du die Pilgerväter. In Plymouth haben sie sich auf amerikanischem Boden niedergelassen und damit begann die Kolonialisierung Nordamerikas. Football-Fans können auf dem Weg nach Boston einen Abstecher nach Foxboro zum Gillette Stadium machen, der Heimat der New England Patriots.

Plymouth Visitors Information

Für das Navigationsgerät:
130 Water Street, Plymouth, MA 02360

Über die Sagamore Bridge, die nördliche Stahlbogenbrücke über den Cape Cod Canal, verabschiedest du dich von Cape Cod. Bis Plymouth benötigst du nur eine halbe Stunde.

Die Plymouth Visitors Information befindet sich etwa 500 Meter von der Mayflower II entfernt. Eine gute Idee ist es, bei der Besucherinformation zu parken. Die Gebühr beträgt 2 Dollar pro Stunde. Vier Stunden sind ausreichend. Die Bezahlung (Pay By Plate) funktioniert erstaunlich einfach. Du tippst das Autokennzeichen des Mietwagens ein und legst die Quittung ins Fahrzeug. Bitte orientiere dich auf deinem 2 Kilometer langen Rundweg an der Karte.

Plymouth

i Plymouth Visitors Information
1 Mayflower II
2 Pilgrim Mother Statue
3 Plymouth Rock
4 William Bradford Statue
5 Massasoit Statue
6 Pilgrim Sarcophagus/Cole’s Hill
7 Pilgrim Hall Museum
8 St. Peters Catholic Church
9 Natl. Monument to the Forefathers

Pilgrim Mother

Die Pilgrim Mother Statue in der Water Street

Die meisten Sehenswürdigkeiten von Plymouth liegen in fußläufiger Entfernung an der Water Street und im Ortskern. Rund um den kleinen Pilgrim Memorial State Park findest du unter anderem die Mayflower II und den Plymouth Rock. Einige Gehminuten entfernt im Ortszentrum ist das Pilgrim Hall Museum. Nur Plimoth Plantation liegt 3 Meilen außerhalb Ortes. „Plimoth“ ist die historische Schreibweise von „Plymouth“.

Die Mayflower II ist ein Nachbau aus dem Jahr 1957 und gewöhnlich an der Frazier State Pier festgemacht. Die originale Mayflower soll drei Jahre nach der Rückankunft aus Amerika in England abgewrackt worden sein. Zur 400-Jahr-Feier der Ankunft der Pilgerväter im Jahr 2020 wurde das Museumsschiff in Mystic Seaport (siehe Tag 5) restauriert. Ich empfehle ein Kombiticket für 34 Dollar, das die Besichtigung von Plimoth Plantation einschließt.

Nach der Besichtigung der Mayflower II durchquerst du den Pilgrim Memorial State Park. Auf der gegenüberliegenden Seite der Water Street entdeckst du die Pilgrim Mother Statue. Sie wurde zu Ehren der Frauen auf der Mayflower errichtet.

Wenige Meter weiter steht die Säulenhalle (portico) mit dem Plymouth Rock. Die Halle wurde 1920 zur 300-Jahr-Feier der Ankunft der Pilgerväter errichtet. Der Erzählung nach setzten die Pilgerväter am 21. Dezember 1620 bei ihrer Ankunft den ersten Fuß auf diesen Felsen. Für diejenigen, die es nicht glauben, wurde die Zahl 1620 in den Felsen gemeißelt.

Plymouth Rock Säulenhalle

Die Säulenhalle schützt den Plymouth Rock

Noch einmal 100 Meter sind es bis zur William Bradford Statue. William Bradford war Mitunterzeichner des Mayflower Compact und 1621 Nachfolger des verstorbenen John Carver als Gouverneur der Plymouth Colony. Ein Großteil des Wissens um die Pilgerväter stammt aus seinen Notizen.

Wenn du bei der Säulenhalle die Treppe auf der gegenüberliegenden Straßenseite nach oben gehst, triffst du auf die Massasoit Statue. Das Denkmal ist dem Wampanoag-Häuptling Massasoit gewidmet, der seinerzeit den Pilgervätern über den ersten Winter half und sich für eine friedliche Koexistenz zwischen Indianern und Siedlern eingesetzt hatte. Wie wir wissen, haben es die Weißen den Indianern bei der Eroberung der Neuen Welt nicht gedankt.

Noch etwas weiter stößt du auf den Pilgrim Sarcophagus. Hier am Cole’s Hill befand sich der erste Friedhof der Pilgerväter. Der Granitsarkophag wurde anlässlich der 300-Jahr-Feier der Ankunft der Pilgerväter zu Ehren der Passagiere der Mayflower errichtet, die im Winter 1620/21 gestorben waren. Der Sarkophag enthält Knochenreste, die vermutlich von Passagieren der Mayflower stammen.

Der schönste Weg ins Ortszentrum führt über die Leyden Street, gut 100 Meter südlich von Cole’s Hill. Diese Straße wurde von den Pilgervätern bereits im Jahr nach ihrer Ankunft angelegt und gilt deshalb als Amerikas erste Straße (America’s First Street). Von den ersten Häusern ist keines mehr erhalten. Die vorhandenen Gebäude stammen aus dem 18./19. Jahrhundert. Tafeln an den Fassaden erzählen ihre Geschichte. Der Name der Straße wurde als Dank an die niederländische Stadt Leiden gewählt, die den Pilgervätern Zuflucht bot, bevor diese mit der Mayflower nach Amerika aufbrachen.

Du folgst der Main Street und im weiteren Verlauf der Court Street durch das Ortszentrum bis zum Pilgrim Hall Museum. Die originalen Gegenstände der Pilgerväter – zum Beispiel eine Bibel, verschiedene Gepäckstücke und die Wiege von Peregrin White, der während der Überfahrt geboren wurde – lassen einem die erstaunliche Leistung, aber auch das Leiden der Passagiere der Mayflower erst richtig bewusst werden. Der Eintrittspreis beträgt 12 Dollar.

70 Meter weiter ertönen aus dem Glockenturm der St. Peters Catholic Church ganze Musikstücke, zum Beispiel Amazing Grace. Vielleicht hast du Glück und kommst zum richtigen Zeitpunkt vorbei.

Mayflower Passengers

Die Namen der Passagiere der Mayflower sind vollständig dokumentiert

America’s Hometown

Am 6. September 1620 stach im englischen Plymouth ein Segelschiff namens Mayflower in See. Neben der Schiffsbesatzung befanden sich 102 Auswanderer an Bord, zumeist strenggläubige Puritaner (lat. puritas = Reinheit), die nach einem Leben ohne religiöse Verfolgung suchten. Das unterschied sie von den früheren Siedlern in Jamestown/VA, die wirtschaftliche Interessen verfolgten.

Unter den Passagieren befanden sich auch Kinder und sogar schwangere Frauen. Wie groß muss die Not in der alten Heimat gewesen sein, dass sie trotz des bevorstehenden Winters das Risiko einer Atlantiküberfahrt auf dem nur knapp 30 Meter langen Schiff auf sich genommen haben. Über zwei Monate auf engstem Raum ohne frisches Wasser! Der Gestank auf dem überfüllten Schiff muss bestialisch gewesen sein. Erstaunlich, dass während der Überfahrt nur zwei Todesopfer zu beklagen waren. Es kam sogar ein Kind zur Welt.

Das eigentliche Ziel der Gruppe war Jamestown in der Kolonie Virginia (Virginia Colony) am James River, das 500 Meilen südlich von Plymouth bereits 1607 gegründet worden war. Als Gegenleistung für die Finanzierung der Überfahrt sollten sie das Land der Virginia Company of London bestellen. Doch Herbststürme trieben das Schiff nach Norden. Am 9. November 1620 wurde bei Cape Cod (siehe gestern) zum ersten Mal Land gesichtet.

Die schwierige Lage und dass sie ihr Reiseziel verfehlt hatten, belasteten das Klima unter den Passagieren. Um zu überleben, musste die Gruppe jedoch zusammenstehen. Noch auf dem Schiff wurde ein Vertrag geschlossen, der das gesellschaftliche Zusammenleben nach christlichen Regeln festschrieb und als Mayflower Compact in die Geschichte einging.

Am 11. November ging die Gruppe am äußeren Cape Cod (outer cape) erstmals an Land. Nach Auseinandersetzungen mit Indianern setzten die Siedler am 21. Dezember von Cape Cod auf das Festland über. Die Wintermonate mussten sie noch an Bord der Mayflower verbringen. Das konnte nicht gutgehen. Mehr als die Hälfte der Passagiere starb, vor allem an Lungenentzündung. Was für eine Dramatik muss geherrscht haben. Erst im März 1621, nachdem die ersten Hütten fertiggestellt waren, ließ man sich an Land nieder und es entstand die Kolonie Plymouth (Plymouth Colony), benannt nach dem Herkunftsort in Südengland.

Wahrscheinlich hätte keiner der Siedler das erste Jahr überlebt, wenn ihnen die Wampanoag-Indianer nicht beim Anbau von Getreide und beim Fischfang geholfen hätten. Und so feierten die überlebenden Passagiere der Mayflower mit den Indianern im Herbst 1621 ein großes Fest mit reichlich Speisen. Aus diesem Fest sollte sich in der Folge einer der wichtigsten amerikanischen Feiertage entwickeln: Thanksgiving. Das amerikanische Erntedankfest wird jährlich am vierten Donnerstag im November gefeiert. Angesichts des Schicksals, das die amerikanischen Ureinwohner in den Folgejahren erleiden mussten, hat der Feiertag für die indianischen Nachfahren allerdings einen bitteren Beigeschmack.

Die Namen der Passagiere der Mayflower sind dokumentiert und viele Amerikaner, die ihre Abstammung bis zu den Pilgervätern zurückverfolgen können, sind darauf stolz. Der Begriff „Pilgerväter“ (pilgrim fathers) kam allerdings erst Mitte des 19. Jahrhunderts auf. William Bradford, Passagier auf der Mayflower, hatte in seinen Aufzeichnungen „History of Plimoth Plantation“ das Leben in der Kolonie geschildert und darin den Aufbruch der Gruppe in die neue Welt mit einer Pilgerreise verglichen („They knew they were pilgrims“). Hieraus wurde später die Bezeichnung pilgrim fathers abgeleitet und die Plymouth Colony wurde zum Mythos. Aus der Kolonie entstand das heutige Plymouth in Massachusetts. Der Ort lebt hervorragend vom Pilgrim-Tourismus und wirbt mit dem Beinamen „America’s Hometown“. Schließlich gehört die Geschichte der Pilgerväter zum Grundwissen jedes amerikanischen Schülers.

National Monument to the Forefathers

Für das Navigationsgerät:
72 Allerton Street, Plymouth, MA 02360

Auf der Fahrt nach Plimoth Plantation kannst du noch am 81 Fuß hohen National Monument to the Forefathers (Nationales Denkmal der Vorfahren) vorbeifahren. Das massive Granit-Denkmal wurde 1889 zu Ehren der Passagiere der Mayflower und ihrer Ideale eingeweiht. Die rund um das Monument angebrachten Figuren verkörpern Morality, Law, Education und Liberty (Moral, Gesetz, Bildung und Freiheit).

Mayflower-Denkmal

Ein Denkmal zu Ehren der Mayflower-Passagiere

Plimoth Plantation

Für das Navigationsgerät:
26 River Street, Plymouth, MA 02360

Plimoth Plantation

Plimoth im Jahr 1627 – sieben Jahre nach der Ankunft der Pilgerväter

Plimoth Plantation ist die Rekonstruktion des Dorfes der Passagiere der Mayflower, wie es sieben Jahre nach ihrer Ankunft ausgesehen haben soll. Du erhältst Zutritt mit dem bereits erworbenen Kombiticket.

Auf dem Fußweg zum Dorf vermittelt zunächst die Wampanoag Homesite einen Eindruck vom Leben der Wampanoag-Indianer zur Zeit der Ankunft der Pilgerväter. Die Nachfahren der Ureinwohner laden dich in ihre mit Schilf oder Baumrinde gedeckten igluförmigen Behausungen ein, wo sie Essen wie vor 400 Jahren zubereiten.

Sobald du das mit Holzpfählen eingezäunte Dorf betrittst, wirst du unweigerlich vier Jahrhunderte zurückversetzt. Laiendarsteller in historischen Kleidern bewirtschaften die Gemüsegärten, füttern Hühner und Ziegen oder hacken Holz.

Scheue dich nicht, Fragen zu stellen. Du wirst jedoch nur zeitgemäße Antworten erhalten. Denn die „Einwohner“ spielen ihre Rolle perfekt und antworten aus der Sicht und dem Wissensstand eines Dorfbewohners des Jahres 1627. Auf die Frage nach einer Lademöglichkeit für dein Smartphone wirst du nur verständnislose Blicke ernten.

Am Nachmittag verabschiedest du dich von Plymouth. Bestimmt hat der kleine, relativ ruhige und geschichtsträchtige Ort einen tiefen Eindruck hinterlassen, so dass du jetzt für die Hektik der Großstadt Boston gerüstet bist.

Gillette Stadium

Für das Navigationsgerät:
Patriot Place, Foxborough, MA 02035

Das Gillette Stadium in Foxborough, kurz Foxboro, liegt südwestlich vor den Toren von Boston am Highway 1. Die Namensrechte des Stadions liegen bei dem in Boston ansässigen Hersteller von Rasierbedarf. Das Stadion beherbergt die New England Patriots, den sechsfachen SuperBowl-Sieger. Neben American Football wird im Stadion auch Fußball gespielt. Die Mannschaft von New England Revolution trägt dort ihre Heimspiele aus.

Du erreichst zuerst die Zufahrt Patriot Place und fährst zum Stadion-Parkplatz Lot 22 hinter dem Shopping-Center. Hier an der Westseite hast du die beste Frontalsicht auf das Stadion. Von dort läufst du links um das Stadium herum zur Hall of Fame und zum Fan-Shop.

Du kannst auch 400 Meter weiter die Ausfahrt „TO SOUTH“ nehmen und direkt zum Parkplatz vor der Hall of Fame fahren. Der Eintritt in das interaktive Museum, das den Erfolgen der Patriots gewidmet ist, beträgt 10 Dollar. Im ProShop erhältst du alles, was das Football-Herz höherschlagen lässt.

An der Nordkurve ist der Blick ins Stadion durch ein Tor möglich. Der Turm an der nördlichen Endzone ist ein Leuchtturm, ein Identifikationsmerkmal von Neu England. 2021 wurde der Turm neu gestaltet. Von der 360-Grad-Plattform, dem Lookout, bietet sich ein spektakulärer Blick auf das Stadion und die Umgebung, bis nach Boston und Providence. Der Eintritt beträgt 5 Dollar.

Foxboro

Das Zuhause der New England Patriots in Foxboro

  • Übernachtung in Boston (1. Nacht von 3)

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