Rinner Sattel und Oberbozen

Frank Rösner – ZUM NACHREISEN Freitag, 21. Juni 2024 von Frank Rösner – ZUM NACHREISEN

Abwechslungsreiche Runde ab Sterzing

Die Mountainbike-Tour führte in zwei Tagen von Sterzing über den Rinner Sattel zur Fleckner-Hütte (Übernachtung). Am zweiten Tag ging es durch das Passeiertal nach Meran und weiter nach Bozen. Der letzte Abschnitt führte über Oberbozen/Ritten nach Waidbruck, von dort mit dem Zug zurück nach Sterzing.

Der grobe Plan verlief über den Rinner Sattel und das Passeiertal nach Meran und über Oberbozen, das ich schon längere Zeit mal anschauen wollte, zurück nach Sterzing. Dafür hatte ich zwei bis drei Tage eingeplant. Nach dem Dauerregen in den letzten Wochen musste ich jetzt einfach wieder mal raus. Die Wettervorhersage war besser, wenn auch noch nicht optimal. Also entschied ich mich für eine Mountainbike-Tour.

Ich fuhr nach Stange, wenige Kilometer nach Sterzing im Ridnauntal. In der Touristinfo sagte man mir, dass ich am Sportgelände parken könne. Ein perfekter Parkplatz, wie sich herausstellte, groß und kostenlos.

Von dort startete ich durch das Ratschingstal. Der Blick fällt dabei auf die Ratschinger Weißen, 2822 m, am Talschluss von Innerratschings.

Bis zur Kirche in Bichl (Colle) wechselte der Weg ab zwischen etwas Schieben, ruhiger Nebenstraße und Forstwegen. Es ging entlang des Ratschingerbachs und der Gilfenklamm.

Danach folgten Serpentinen bergauf durch den Wald und das Skigebiet von Ratschings-Jaufen, erst auf Teer, dann auf gut fahrbarem Waldboden.

Die Bergstation der Bergbahn und die Baustelle drumherum waren allerdings ernüchternd. Das muss man halt ausblenden. Das Bergrestaurant wurde aber auch gerade neu gebaut. Der dortige Abenteuerspielplatz ist für Kinder allerdings ein Traum. Es gibt sogar ein Floß, das an einem Seil durchs Wasser gezogen wird.

Der schönste Abschnitt folgte nach der Bergstation. Von der urigen Rinner Alm führte ein schöner Trail parallel zum Berg bis zur Wasserfaller Alm. Der Trail ist Teil des Ratschinger Almenwegs.

Inzwischen sah es stark nach Regen aus und ich war auch ziemlich erschöpft, weshalb ich mir erst ein Bananensplit und Kaffee gönnte. Denn nach der Wasserfaller Alm folgt eine 20-minütige Tragepassage bis zum Rinner Sattel.

Es regnete etwa eine Stunde lang und ich hatte mich schon damit abgefunden, an der Bergstation des Lifts neben der Wasserfaller Alm zu übernachten. Schlafsack, Matte und Biwaksack hatte ich schließlich im Rucksack dabei, was es bergauf gewichtsmäßig natürlich nicht einfacher macht. Aber ich wollte auf alles vorbereitet sein und auf der Wasserfaller Alm gibt es keine Übernachtungsmöglichkeit.

Ins Tal zurück oder rüber zur Jaufenpass-Straße wollte ich aber auch nicht fahren, denn ich hatte mir ja den Rinner Sattel vorgenommen. Zum Glück klarte das Wetter wieder auf. Und so wuchtete ich mein nicht gerade leichtes Mountainbike durch ein Meer von Almrosen hinauf zum Rinner Sattel, wo mich ein schöner Bergsee, der Wasserfaller See, erwartete. Dort muss man den Trail geradeaus weiterfahren, nicht nach rechts. Die Beschilderung „Fleckner“ steht für den Berg und nicht für die „Fleckner-Hütte“!

Kurz unterhalb des Sattels befindet sich ein geschotterter Parkplatz, der von der Jaufenpass-Straße (Römerkehre) zu erreichen ist. Ich fuhr noch das kleine Stück den Forstweg hinauf zur Fleckner-Hütte auf 2100 m. Inzwischen war es 17 Uhr und ich hoffte, dort übernachten zu können. Bei der Hütte war es jedoch sehr ruhig und auf einem Schild stand „Freitag Ruhetag“ – das wäre morgen gewesen. Ich befürchtete deshalb, dass die Hütte geschlossen ist und ich ins Passeiertal abfahren muss.
Ich ging noch einmal um das Haus herum, wo sich die Terrasse befand, und hatte Glück. Die Hütte war geöffnet und ich wurde im Mehrbettzimmer einquartiert, wobei ich bei diesem unsicheren Wetter der einzige Übernachtungsgast war. Das hatte ich auch noch nicht.

Die Fleckner-Hütte ist wunderschön, besonders die von Roland und seinem Sohn Ivan urig gestaltete Laube, wo ich mir leckere Hüttenmakkaroni gönnte. Und so fand dieser Tag einen wunderbaren Abschluss. Was gibt es Schöneres, als auf einer Berghütte zu übernachten. Ich kann jedem, der über den Rinner Sattel fährt, nur empfehlen, auf der Fleckner-Hütte zu übernachten. Roland und Ivan sind sehr um ihre Gäste bemüht. Ich durfte mein Fahrrad über Nacht sogar in der Laube unterstellen.

Von der Fleckner-Hütte blickt man auf die Hochwilde, 3482 m, und die Hohe Weiße, 3278 m.

Tag 2

Das Frühstück war wunderbar. Südtiroler Speck und Käse, ein Ei von den eigenen freilaufenden Hühnern und warme Semmeln sowie Vinschgauer.

Nach dem Frühstück fuhr ich die kurze Strecke hinunter zur Römerkehre an der Jaufenpass-Straße und dann die lange Abfahrt nach St. Leonhard in Passeier. Sage und schreibe 17 Kilometer ging es bergab.

Zwischen St. Leonhard und St. Martin bin ich am Sandwirt vorbeigekommen, das Geburtshaus von Andreas Hofer, dem Anführer der Tiroler Aufstandsbewegung von 1809 gegen die bayerische Regierung und kurzzeitigem Regenten von Tirol. Das Museum mit Freilichtbereich werde ich mir bei anderer Gelegenheit anschauen. Immer freitags um 11 Uhr findet eine kostenlose Führung statt.

Danach führte der Radweg entlang der wilden Passer nach Meran, wo ich eine kurze Runde im Ort drehte. Der Blick fiel auf den Tschigat, von dem ich seit vielen Jahren schwärme und den ich dieses Jahr noch besteigen möchte.

Bevor ich nach Bozen weiterfuhr, schaute ich noch bei den Gärten von Schloss Trauttmansdorff vorbei. Das Schloss ist bekannt geworden durch Kuraufenthalte von Kaiserin Elisabeth (Sissi) in den Jahren 1870 und 1889. Irgendwann muss ich da auch mal rein.

Schließlich machte ich mich auf den langen Weg nach Bozen. Den eintönigen Radweg zwischen Bahngleisen und Etsch kannte ich bereits von meiner Alpenüberquerung 2018 und ich gebe zu, dass mir die eintönige Geradeausstrecke nicht gefällt.

Von der Abzweigung unterhalb von Schloss Sigmundskron, wo sich das Messner Mountain Museum befindet, muss man ein Stück durch die Stadt fahren. Nach dem Siegesdenkmal und der Talferbrücke gönnte ich mir an meinem Lieblingsplatz beim „Ötzi-Museum“ am Beginn der Laubengasse erst einmal ein Eis (Bericht von meiner Ötzi-Tour mit Similaun).

Nach fünfeinhalb Stunden und 73 Kilometern hatte ich zudem keine Lust mehr, die 1000 Höhenmeter hinauf nach Oberbozen zu fahren. Deshalb entschied ich mich für die Rittner Seilbahn (Bergfahrt 6 Euro + 7 Euro für das Fahrrad). Lieber wollte ich mir einen guten Eindruck von Oberbozen, dem Ritten und den Erdpyramiden verschaffen. Interessant ist die Schmalspurbahn, die 8,5 km von Oberbozen bis Klobenstein verläuft. Dabei habe ich nach Möglichkeit die schöneren Wege abseits der allerdings wenig befahrenen Straße gewählt und eine Runde um den Wolfsgrubner See gedreht (leichter Trail). Bei der Arena Ritten war ich überrascht, dass „Ritten Sport“ in den letzten Jahren mehrmals den italienischen Eishockey-Meister stellte. Zwischen Klobenstein und Lengmoos fuhr ich noch die Fenn-Promenade ab, eine kleine Mountainbike-Runde. Der Blick fiel hinüber zum Schlern, dem Südtiroler Symbolberg. Der Langkofel dahinter war jedoch kaum zu erkennen, dafür war es zu diesig.

Schließlich hatte ich auf dem Erdpyramidenweg zwischen Lengmoos und Lengstein einen herrlichen Blick auf die dortigen Erdpyramiden.

Danach zog es sich noch ein ganzes Stück bis nach Waidbruck im Eisacktal, meistens bergab. Von dort fuhr ich mit dem Zug zurück nach Sterzing. Auf den Brenner-Radweg hatte ich wahrlich keine Lust. Einmal reicht, da bin ich vom Brenner nach Bozen geradelt. Mit Waidbruck verbinde ich jedoch tolle Erinnerungen, bin ich vom dortigen Bahnhof doch 2021 in fünf Tagen rund um die Seiser Alm bzw. rund um den Langkofel gefahren. Eine meiner schönsten Radtouren bisher.

In Sterzing genoss ich noch eine Pizza, bevor ich zurück zum Auto nach Stange fuhr. Unterwegs erwischte mich dann ein Gewitter. Das Wasser lief mir in den Kragen hinein und ich kam tropfnass am Parkplatz an. Die Pizza hätte ich vielleicht verschieben sollen.

Aber auch diese zwei Tage waren wieder ein tolles Erlebnis. Ich habe viel Neues gesehen. Wieder eine Tour, die ich nie mehr vergessen werde.

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