Auronzo-Hütte (bei den Drei Zinnen)

Frank Rösner – ZUM NACHREISEN Mittwoch, 3. Januar 2024 von Frank Rösner – ZUM NACHREISEN

Der Tourismus-Hotspot bei den Drei Zinnen

Die Drei Zinnen sind das Wahrzeichen der Dolomiten. Ich hatte die markanten Bergspitzen bis jetzt erst einmal erspäht. Das war bei meiner Alpenüberquerung mit dem Mountainbike, als ich vom Pragser Tal über die Plätzwiese gefahren bin. Von der Dürrensteinhütte hatte ich dabei eine Wanderung auf den Strudelkopf unternommen. Erst wenn man auf dem Gipfel des Strudelkopf steht, fällt der Blick auf die etwa 10 Kilometer entfernten Drei Zinnen.

Jetzt wollte ich die Drei Zinnen aus der Nähe sehen. Im Tourismusbüro von Sexten war man sich ob der Lawinenlage im Fischleintal aber nicht sicher. Deshalb entschied ich mich für die Wanderung zur Auronzo-Hütte (2333 m), wohlwissend, dass es sich um eine Tourismus-Hotspot handelt. Aber so ist es halt, wenn ein Ort so schön ist.

Ich fuhr über Toblach und Schluderbach nach Misurina. Direkt an der SP 49, kurz vor dem Lago di Misurina, befindet sich ein großer, kostenloser Parkplatz, der nicht zu übersehen ist (GPS 46,586183, 12,254024). Von dort läuft man einen Kilometer am Straßenrand bergauf, bevor der Wanderweg beginnt. Es gibt auch weiter oben noch Parkmöglichkeiten. Aber je höher man kommt, desto enger wird es. Da laufe ich lieber ein paar Meter mehr.

Ab dem Lago Antorno war die Straße gesperrt und im weiteren Verlauf ohnehin schneebedeckt. Im Minutentakt wurden die Gäste mit Schneemobilen zur Auronzo-Hütte gefahren – für 35 Euro. So etwas hatte ich auch noch nicht gesehen. Das hatte was von Kanada, wie man es sich vorstellt.

Nach ein paar hundert Metern zweigt rechts der schöne Wanderweg von der Forststraße ab, so dass man etwas Ruhe hat. Die Schneemobile hörte ich nur in der Ferne. Aber alleine ist man bei dieser hin und zurück etwa 4-stündigen Tour (ohne Pausen) natürlich nie. Die Drei Zinnen ziehen schließlich Besucher aus aller Welt an. Im Sommer kann man sogar mit dem eigenen Auto über die Mautstraße bis zur Auronzo-Hütte hochfahren - für 30 Euro. Das bräuchte es eigentlich nicht. Aber auf die Einnahmequelle will man offenbar nicht verzichten. Die Parkplatzschilder, sogar für Busse, direkt neben der Auronzo-Hütte, erschütterten mich. So wird die Natur missbraucht. Reinhold Messner hat mit seiner Kritik recht. Aber der Geldbeutel gewinnt halt gegen die Interessen der Natur. Und Wanderer wie ich werden frustriert. Ein großer Bus bringt immerhin 120 Euro. Im Sommer muss das ein Albtraum sein.

Ich war an diesem Tag mit Grödel unterwegs. Schneeschuhe wären auch nicht schlecht, Tourenski wären optimal gewesen. Dann hätte ich die Forststraße, die ich aus Interesse beim Rückweg gewählt hatte, mit Ski abfahren können. Nicht wenige Besucher fuhren mit Schlitten ab, die auch verliehen wurden. Und so herrschte reger Gegenverkehr, wenn sich Schlitten und Schneemobile begegneten. Wer Ruhe sucht, sollte nicht zur Auronzo-Hütte gehen!

Auf den letzten Metern und bei der Auronzo-Hütte fällt der Blick auf die „Rückseite” der großen Zinne. Das ganze Drei-Zinnen-Panorama, wie ich es vom Strudelkopf kannte, wird dort also nicht geboten. Die Auronzo-Hütte ist auch zu nah dran, um einen Panorama-Blick zu erlauben.

Hinter der Hütte führt ein Wanderweg am Fuße der Zinnen entlang, über die Lavaredo-Hütte und den Paternsattel zur Drei-Zinnen-Hütte. Unterwegs soll man dann den erhofften Panoramablick auf die Drei Zinnen haben. Darauf habe ich jedoch aus Sicherheitsgründen verzichtet. Der Weg war am Anfang durch eine riesige Schneeverwehung zugeschüttet. Zwar querten viele Wanderer die Schneeverwehung. Aber rechts ging es runter. Ein Ausrutscher und das wars dann. Ich glaube, viele Wanderer waren sich des Risikos gar nicht bewusst. Hinwärts hätte ich es noch akzeptiert. Wenn die Schneeverwehung aber durch den ständigen Wind größer geworden wäre, hätte der Rückweg zu einem unkalkulierbaren Risiko werden können. Darauf hatte ich keine Lust. Ich werde die Drei Zinnen noch öfters besuchen und auch größere Touren in der Umgebung unternehmen. Dann werde auch ich den Panorama-Blick auf das Wahrzeichen der Dolomiten erleben. So kann ich mich noch auf etwas freuen und bin kein Risiko eingegangen.

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