Angels Landing (Utah)

Frank Rösner – ZUM NACHREISEN Freitag, 1. November 2019 von Frank Rösner – ZUM NACHREISEN

Auf den Landeplatz der Engel im Zion National Park

Angels Landing, der Landeplatz der Engel, ist eine Kult-Tour im Zion National Park in Utah. Fast jeder, der in den Nationalparks von Utah unterwegs ist, hat Angels Landing auf seiner bucket list, ob Amerikaner oder europäischer Tourist. Der Berg hat eine magische Anziehungskraft. Der Name Angels Landing geht auf den methodistischen Pfarrer Frederick Vining Fisher zurück, der bei seinem Besuch im Zion Canyon im Jahr 1916 gesagt haben soll, dass nur ein Engel dort landen könnte.

Aufgrund des hohen Andrangs ist es mittlerweile erforderlich, vorab ein permit zu erwerben. Die permits werden online verlost. Man braucht also etwas Glück. Wer bei der Jahresverlosung nicht zum Zuge kommt, muss sein Glück bei den Vortagesverlosungen (gleicher Link) versuchen. Gelingt auch das nicht, bleibt nichts anderes übrig, als beim Scout Lookout vor dem Gipfelgrat umzukehren. Bis zum Plateau am Scout Lookout ist nämlich kein permit erforderlich. Aber auch von dort ist die Aussicht schon toll. Für nicht schwindelfreie Personen ist die Tour hier ohnehin beendet.

Ausgangspunkt der Wanderung ist die Haltestelle The Grotto am Zion Canyon Scenic Drive im Zion Canyon auf einer Höhe von gut 1300 Meter. Während der Hauptsaison gelangt man dorthin nur mit einem der kostenlosen Shuttlebusse (Haltestelle 6). Die Shuttlebusse starten am großen Parkplatz beim Visitor Center.

Man überquert eine Holzbrücke über den Virgin River und begibt sich auf den West Rim Trail. Der Blick fällt auf Angels Landing, das sich wie eine Haifischflosse über dem Zion Canyon erhebt. Zunächst geht es ein Stück am Fluss entlang und die eine oder andere Kaktee säumt den Wegesrand. Insgesamt sind ca. 7 Kilometer hin und zurück und 450 Höhenmeter zu bewältigen, bei großer Hitze ist das durchaus eine Herausforderung. Der Sommerhitze weicht man am besten aus, wenn man die Wanderung frühzeitig beginnt. Allerdings benötigt man dann auch ein passendes permit für den frühen Start.

Nach einer Serpentinenstrecke geht es auf einem breiten, sicheren Weg an der Felswand entlang und danach in den tiefen Refrigerator Canyon. Der Canyon trägt diesen seltsamen Namen (refrigerator = Kühlschrank), weil die senkrechten Wände die Sonneneinstrahlung verhindern, was bei Sommerhitze angenehm ist.

Es folgen die Walter’s Wiggles, ein gemauerter Serpentinensteig mit 21 Kehren. Danach erreicht man den Aussichtspunkt und Rastplatz Scout Lookout. Bis hierhin sind es gut 300 Höhenmeter und die Wanderung ist auch machbar, wenn man nicht schwindelfrei ist. Wie gesagt, ist bis zum Plateau am Scout Lookout auch kein permit erforderlich. Das wissen auch die vielen zutraulichen Streifenhörnchen, die um Futter betteln. Füttern ist jedoch strengstens verboten!

Nach dem Scout Lookout geht es auf einem schmalen Berggrat bis zum Gipfel. Es muss etwas geklettert werden und schwere Eisenketten dienen zum Festhalten. Der Berggrat erfordert gutes Schuhwerk, Schwindelfreiheit und Trittsicherheit. Für den geübten Wanderer und für sportliche Menschen ist Angels Landing problemlos machbar. Leichtsinnig darf man aber nicht sein. Eine Tafel am Beginn des Wegs weist darauf hin, wie viele Wanderer bisher gestorben sind. Bei meinem Besuch waren es neun, inzwischen sollen es 14 sein. Was nicht verwundert, angesichts des Leichtsinns, den ich bei einigen Wanderern beobachten konnte. Der eine oder andere stand bei Gegenverkehr derart am Abgrund, dass ein versehentlicher Stoß den sicheren Tod bedeutet hätte. Ich führe das auf mangelnde Bergerfahrung zurück.

An den absturzgefährdeten Stellen muss man am Seil bzw. an der Kette bleiben und bei „Gegenverkehr“ etwas aufpassen. Am besten, einer bleibt an der Kette stehen und der andere greift um den Wartenden herum. So hat man immer eine Hand an der Kette. Ich mache das jedenfalls so beim Klettersteigen in den Alpen. Den Tiefblick genießt man an den Aussichtspunkten am sichersten, wenn man sich auf den Bauch legt.

Natürlich muss auch das Wetter stimmen, sonst kann es auch unangenehm werden. Bei Hitze ist ein ausreichender Wasservorrat wichtig. Bei feuchter Witterung bzw. vorangegangenem Regen könnte es rutschig sein. Dann würde ich von der Bergtour abraten. Hitze ist da leichter zu bewältigen.

Bedenken sollte man, dass der Abstieg schwieriger als der Aufstieg ist, nicht nur klettertechnisch, sondern auch psychologisch. Denn da blickt man in die Tiefe.

Vom 1764 Meter hohen Gipfel bzw. von Angels Landing, aber auch schon vorher, hat man einen faszinierenden Tiefblick in den Zion Canyon und auf die umliegenden Berge, vor allem den Great White Throne. Der Virgin River schlängelt sich 450 Meter tiefer durch den Canyon und um The Organ herum, wie der nach Nordosten zeigende Felsrücken genannt wird.

Ich habe für den Aufstieg 1,75 Stunden mit 15 Minuten Pause am Scout Lookout benötigt, insgesamt 3,5 Stunden mit etwa einer halben Stunde Pause am Gipfel. Ich bin das Bergwandern und Klettern allerdings gewöhnt. Wer es ruhiger angehen möchte, sollte insgesamt 4 Stunden einplanen.

Die Wanderung auf Angels Landing wird mir immer unvergesslich bleiben.

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