Vorwort
Die Zugspitze, den mit 2962 m bekanntlich höchsten Berg Deutschlands, habe ich bis jetzt fünfmal bestiegen, je zweimal über das Höllental und das Gatterl, einmal über den sogenannten „Stopselzieher“. Die lange Wanderung über das Reintal habe ich noch nicht unternommen, das habe ich auch nicht mehr vor. Da bin ich mit dem Mountainbike „nur“ bis zur Reintalangerhütte gefahren und weiter zum Partnachursprung gelaufen, ist ja dann nicht mehr weit bis zur Quelle. Die Eisenzeit, eine weitere Möglichkeit, auf die Zugspitze zu klettern, kenne ich nicht. Das ist eine echte Kletterroute über den alten Tunnelbauersteig – daher der Name „Eisenzeit“. Sie empfiehlt sich mit Bergführer, auch wegen der Orientierung. Schau mer mal, ob ich das irgendwann in Angriff nehmen werde. Auf den Jubiläumsgrat habe ich überhaupt keine Lust. Ich gehe lieber auf einen schönen Gipfel, als stundenlang über einen Grat zu balancieren. Da muss ich mir nichts beweisen. Der nachfolgende Text gibt insbesondere meine persönliche Meinung wieder. Meine kurzen Ausführungen eignen sich nicht als ausreichende Tourenplanung.
Die Zugspitze ist zweifellos ein Erlebnis, auch wenn man nur mit der Bahn auf den Gipfel fährt. Die „Rundreise“ kostet inzwischen 78 Euro (Stand Sommer 2026). Mit der Zugspitzbahn geht es von Garmisch-Partenkirchen zunächst nach Grainau, danach zuckelt die Bahn als Zahnradbahn, schließlich durch den Berg auf das Zugspitzplatt. Da schwingt viel Historie mit. Manchmal muss man in Grainau umsteigen. Vom Zugspitzplatt fährt die Gletscherbahn auf das Gipfelplateau. Von dort kann man mit etwas Geschick zum Gipfelkreuz klettern. Zurück ins Tal fährt man mit der Seilbahn Zugspitze hinunter zum Eibsee. Um wenigstens etwas gewandert zu sein, empfiehlt sich die etwa eineinhalbstündige Wanderung rund um den Eibsee (gut 7 km). Die Ausblicke sind in allen Phasen der Rundreise phantastisch. Danach fährt man mit der Zugspitzbahn zurück nach Garmisch-Partenkirchen.
Die komplette Überbauung des Zugspitzgipfels empfinde ich mittlerweile jedoch als abstoßend und dekadent. Die Umwelt-Forschungsstation Schneefernerhaus am Zugspitzplatt und das Münchner Haus von 1897 als Hütte für Bergsteiger lass ich mir ja noch eingehen. Die übrige Bebauung hat den Gipfel entweiht, um nicht zu sagen, versaut. Schlimmer geht es nimmer. Das ist wohl der hässlichste Gipfel der Alpen, so großartig die Aussicht auch ist. Ich habe mich deshalb entschlossen, mit Gästen nicht mehr auf die Zugspitze zu fahren. Auch werde ich nach einer Bergtour nicht mehr die Bahn zurück nehmen. Den „Stopselzieher“ will ich noch einmal machen, dann werde ich aber über das Gatterl absteigen. Der Hype um die Zugspitze nervt mittlerweile, insbesondere die Diskussion über den Stau am Gipfelkreuz. Wer auf die Zugspitze möchte, soll doch bitte zu Fuß aufsteigen, und sei es nur übers Gatterl oder das Reintal. Dann eine Übernachtung im Münchner Haus (nur im Sommer bewirtschaftet; unbedingt reservieren!) und am nächsten Tag wieder zurück. Der Schock des Touristenansturms bleibt einem dabei aber nicht erspart. Das gilt auch für den Jubiläumsgrat. Wer diese anspruchsvolle Gratkletterei machen möchte, sollte auch zu Fuß aufsteigen, im Münchner Haus übernachten und am nächsten Tag den Grat begehen, am besten mit Bergführer.
Übers Gatterl
Den Weg über das Gatterl empfinde ich als eher einfache Tour. Vor dem Gatterl gibt es eine kurze seilversicherte Passage. Natürlich sollte man bergerfahren und gut ausgerüstet sein. Auch das Wetter muss passen. Aber dann ist das Gatterl mit ca. 6 Stunden im Aufstieg gut machbar, wobei ich mir bei beiden Aufstiegen den eher langweiligen Teil gespart habe und mit der Ehrwalder Almbahn bis zur Ehrwalder Alm gefahren bin. Diesen Teil kenne ich schon zur Genüge und habe ihn auch schon mit dem Mountainbike absolviert, nämlich bei meiner Umrundung des Wettersteingebirges.
Wen auf dem Weg über das Gatterl die Kräfte verlassen, der kann in der Knorrhütte eine Pause einlegen (oder im Sommer auch übernachten; unbedingt reservieren!) und/oder vom Zugspitzplatt die Gletscherbahn auf die Zugspitze nehmen. Das habe ich natürlich nicht gemacht. Der Anstieg über die steile Gipfelflanke oberhalb von Sonnalpin auf dem Zugspitzplatt kann für Ungeübte aber sehr anstrengend sein. Hier braucht es eine gute Gehtechnik, um auf den losen Steinen nicht ständig zurückzurutschen. Aber wer ungeübt ist, sollte sich auch erst an anderen Bergen versuchen. Die letzten 400 Höhenmeter sind teilweise seilversichert. Insgesamt sind es mit Auf und Ab aber trotzdem 1700 Höhenmeter. Das muss man bedenken.
Für diese Tour gibt es bei der Tiroler Zugspitzbahn das sogenannte „Gatterl-Ticket“ für 61 Euro (Fahrt mit der Ehrwalder Almbahn, ggfs. Fahrt mit der Gletscherbahn und Talfahrt mit der Tiroler Zugspitzbahn, Stand Sommer 2026). Ach ja, zurück zum Auto gelangt man mit dem Bus, es sei denn, die Gruppe hat ein Auto an der Talstation der Tiroler Zugspitzbahn abgestellt und ist dann zusammen zur Talstation der Ehrwalder Almbahn gefahren.
Durchs Höllental
Über den Höllentalferner bin ich zweimal auf die Zugspitze gestiegen. Beim ersten Mal (2014) starteten wir um 5 Uhr in Hammersbach und erreichten den Gipfel um 14 Uhr. Das war aber schon sehr anstrengend und lang. Beim zweiten Mal (2022) haben wir in der Höllentalangerhütte übernachtet. Das ist schon angenehmer.
Die Randkluft ist die Schlüsselstelle. Sie war jeweils gut machbar. Soweit ich mich erinnern kann, mussten wir bei der zweiten Tour einen großen Schritt zum Seil am Beginn des C-Klettersteigs hinlegen. Danach arbeiteten wir uns bis zu den ersten Trittstufen hoch. Wenn die Randkluft zu schwierig ist, hat man ein Problem. Deshalb unbedingt vorher die Bedingungen erfragen. Außerdem herrscht an der Randkluft erhöhte Steinschlaggefahr. Auskünfte erteilt zum Beispiel die Alpinschule Garmisch.
2014 war der Gletscher noch mit Schnee bedeckt, so dass er gerade noch mit Grödel machbar war. Ich habe bei jedem Schritt kräftig aufgetreten, damit der Schritt saß. Steigeisen sind natürlich immer besser. Ich habe auch dazugelernt. 2022 war der Gletscher recht aper, so dass es nur mit Steigeisen ging. Außerdem gingen alle ohne Seil über den Gletscher und immer der Spur nach, in weitem Bogen um die Gletscherspalten. Der Höllentalferner ist somit auch der einzige Gletscher, den ich mir ohne Bergführer zutraue. Das ist aber keine Empfehlung! Ein Bergführer wird jetzt wahrscheinlich etwas anderes sagen und unbedingt zur Seilsicherung raten. Alle anderen Gletscher mach ich nur mit Bergführer, zumal wenn mir die Ortskenntnis fehlt.
In der Gesamtbetrachtung sind die Wanderung durch die Höllentalklamm oder über den Stangensteig zur Höllentalangerhütte, der anschließende Klettersteig über das Brett, der Gletscher und der Klettersteig zum Gipfel eine sehr abwechslungsreiche und spannende Tour. Kurz vor dem Gipfelkreuz passiert man die Abzweigung zum Jubiläumsgrat.
Die Tour über das Höllental ist (neben der Eisenzeit) außerdem die einzige Route, bei der man zum goldenen Gipfelkreuz gelangt, ohne die Gipfelplattform überqueren zu müssen, mal abgesehen vom Jubiläumsgrat. Aus diesem Grund ist die Höllental-Route auch mein Favorit.
Der Stopselzieher
Der schnellste und kürzeste Weg auf die Zugspitze ist der sogenannte „Stopselzieher“. Man startet an der Talstation der Tiroler Zugspitzbahn zur Wiener-Neustädter-Hütte, benannt nach der österreichischen Sektion „Wiener Neustadt“ (auf manchen Schildern wird Neustädter mit „tt“ geschrieben, das ist falsch). Von der Hütte verläuft der Steig oft unterhalb der Tiroler Seilbahntrasse auf den Gipfel.
Die Bezeichnung „Stopselzieher“ (Korkenzieher) rührt daher, dass man bei dieser Tour eine schraubenartige Felsrinne mit einem Felstunnel passiert. Siehe Foto.
Formal ist der Stopselzieher ein Klettersteig A/B. Wir sind ohne Klettersteigset gegangen. Bei trockenen Verhältnissen und mit Bergerfahrung ist das gut machbar. Wer sich unsicher ist und über weniger Bergerfahrung verfügt, sollte mit Klettersteigset gehen. Ein Helm ist in jedem Fall unverzichtbar. Die Kraxelei ist auch so gut zu bewältigen und wir benötigten für die ca. 1750 Höhenmeter etwa 4¼ Stunden. Normal sind aber durchaus aber auch 5 bis 6 Stunden. So genau kann ich mich nicht mehr erinnern. Das Gipfelkreuz erreicht man in diesem Fall nur, indem man einmal quer über die Gipfelplattform läuft.
Das Gefährliche am Stopselzieher sind die Lawinengefahr und Querungen von Altschneefeldern. Deshalb verstehe ich nicht, warum es viele nicht abwarten können und im Frühjahr oder gar im Winter aufsteigen, wenn (noch) viel Schnee im Stopselzieher liegt. Es gab schon einige Tote. Also abwarten, bis der Schnee weg ist! Ich empfehle frühestens Juli bis Herbst, bevor es den ersten Neuschnee gibt. Wir waren am 4. August unterwegs.
Die Talfahrt nach Ehrwald kostet zurzeit 44 Euro (Stand August 2026).
Durchs Reintal
Wie bereits erwähnt, habe ich die Tour durchs Reintal auf die Zugspitze nicht unternommen und plane das auch nicht. Das ist zwar die einfachste Route auf die Zugspitze, aber auch die längste, wobei die Gatterltour (siehe oben) auch nicht schwierig ist. Die Reintal-Route empfiehlt sich meines Erachtens nur mit Übernachtung auf der Reintalangerhütte, eventuell auf der Knorrhütte, dann wäre der Aufstieg zum Gipfel am nächsten Tag meines Erachtens aber recht kurz.
Ich bin mit dem Mountainbike über die Partnachalm bis zur Reintalangerhütte gefahren und danach die 20 Minuten zum Partnachursprung gelaufen. Den wollte ich unbedingt einmal sehen. So habe ich mir die lange Hatscherei gespart. Bis zur Bockhütte kann man gut fahren, danach war auch mal etwas Schieberei angesagt.
Das Bild zeigt den Blick von der Reintalangerhütte Richtung Gatterl. Der Aufschwung vor dem Zugspitzplatt und der Knorrhütte ist gut zu erkennen, im Hintergrund die Gatterlköpfe und die Östliche Plattspitze.