Sonntag, 23. August 2026 von Frank Rösner – ZUM NACHREISEN
Nepal-Feeling auf der Nördlinger Hütte
In Seefeld wurden im Sommer 2026 zwei neue Klettersteige eröffnet, der Thyrsus-Klettersteig zum Härmelekopf und der Haymon-Klettersteig zur Reitherspitze. Wir wussten nicht genau, was uns erwartet. Ich tat mir zuvor schwer, den genauen Ablauf vom Parkplatz Rosshütte über die zwei Klettersteige auf die Reitherspitze in meiner App zu planen. Vielleicht waren die beiden Klettersteige einfach noch zu neu. Bisher kannte ich nur den Panorama-Klettersteig auf die Seefelder Spitze.
Vom Parkplatz Rosshütte folgten wir der Beschilderung „Nördlinger Hütte 3½ Stunden“, wohl wissend, dass das via Klettersteig länger dauern würde. Der Forstweg bzw. Weg durch das Skigebiet war nicht der Hit. Aber wir wollten „by fair means“ aufsteigen und nicht mit der Bahn fahren.
Die Abzweigung zum Einstieg des Klettersteigs unterhalb der Bergstation der Reitheralmbahn haben wir erst verpeilt, so dass wir bis zum Einstieg zwei Stunden benötigten. Auf der Querung zum Einstieg (Schönangersteig) fiel der Blick hinüber zur Seefelder Spitze mit dem dortigen Panorama-Klettersteig.
Der Thyrsus-Klettersteig erwies sich als spannend und griffig. So gut hat mir schon lange kein Klettersteig mehr gefallen. Der Schwierigkeitsgrad reicht bis C, es waren aber durchaus ein paar knackige Stellen dabei. Für Anfänger ist das nichts. Beim Einstieg wird darauf hingewiesen, dass es sich um einen neuen Klettersteig handelt und man deshalb unbedingt Steinschlag verhindern bzw. Nachfolgende warnen soll.
Nach einer Latschengasse erreicht man eine Aussichtsbank, den „Thyrsus-Blick“. Dort gibt es einen Notausstieg ins Reither Kar. Dieser Abstieg machte auf mich aber nicht gerade einen einfachen Eindruck – viel Geröll.
Der zweite Teil des Thyrsus-Klettersteigs führt dann über die Nordostflanke des Härmelekopfs. Nach einer Querung mit Schafherde erreichten wir zwei Stunden später den Härmelekopf mit seinem bescheidenen Gipfelkreuz auf 2224 m. Tief unten grüßte Seefeld herauf. Dahinter die Hohe Munde und in der Ferne der Thaneller.
Vom Härmelekopf querten wir zur Scharte unterhalb der Reitherspitze. Hier entschieden wir uns, direkt zur Reitherspitze aufzusteigen und uns den Haymon-Klettersteig für eine spätere Tour aufzuheben. Die 30 Minuten auf den Gipfel sind zum Teil seilversichert und es gibt auch eine längere Leiter zu überwinden.
Auf der Reitherspitze (2374 m) erwartete uns nicht nur ein schönes Gipfelkreuz, sondern auch ein wunderbarer Rundumblick mit Karwendel, Serles, Habicht, Zugspitze, Große Arnspitze u.v.m.
Der kurze Abstieg zur Nördlinger Hütte, der mit 2238 m höchstgelegenen Schutzhütte im Karwendel, ist zum Teil seilversichert und kraxeliger als erwartet. Kurz vor der Hütte ist ein Holztor aufgebaut, verziert mit nepalesischen Gebetsfahnen, wie schon das Gipfelkreuz der Reitherspitze. Da hatte ich mir noch nicht viel dabei gedacht.
Als ich dann bei der Hütte aber einen Tisch mit nepalesischen Produkten sah (handgestrickte Handschuhe, Mützen, Schlüsselanhänger, Halsketten, Taschen u.v.m.), staunte ich nicht schlecht. Ich erfuhr, dass Sona und Phurba aus Nepal in der Küche arbeiten. Da musste ich natürlich sofort Namaste sagen. Und es wurden Erinnerungen wach, denn die beiden stammen aus Dragnak (auch Thagnak) am Cho-La-Pass, den ich vor nicht einmal einem Jahr auf meinem Weg zum Everest-Basislager passierte (siehe dort Tag 10). Was für eine Überraschung! Sona und Portal betreiben in Dragnak das „Hotel“ Khumbila.
Aus diesem Grund bot die Nördlinger Hütte auch das bekannteste nepalesische Gericht Dal Bhat an, ein Linsengericht mit Reis. Nachdem ich erst vor Kurzem in München nepalesisch gegessen hatte, blieb ich jedoch bei meiner gewohnten Kaspressknödelsuppe. Für die Enkelkinder kaufte ich zwei Stoffkätzchen. Die Preise waren um ein Vielfaches höher als in Nepal, die Ware hatte aber auch einen langen Weg hinter sich. LOL. Die nette Begegnung war das allemal wert.
Für den Abstieg entschieden wir uns, nach Osten über den Ursprungsattel (2096 m) zur Eppzirler Alm abzusteigen. Diese Runde über Eppzirler Alm, Nördlinger Hütte und Reitherspitze hatte ich nämlich schon einmal gemacht, eben nur in die andere Richtung – und ohne Klettersteig, den es damals noch nicht gab.
Während des Abstiegs zur Eppzirler Alm trafen wir keine Menschenseele. Das hatte ich erhofft und deshalb hatten wir auch diesen ruhigen und schönen Abstieg gewählt. Der war allerdings auch etwas länger als der Touristenabstieg auf der Seefelder Seite. Statt Touristen begegneten wir dafür einer stattlichen Herde Gämsen. Die Eppzirler Alm erreichten wir nach 1:20 Stunden. Das war aber noch nicht das Ende. Es folgte der lange Talweg nach Gießenbach. Diese 1½ Stunden gingen dann in die Knochen. Zur Entschädigung fiel der Blick auf die Große Arnspitze.
Von Gießenbach fuhr ich per Anhalter zurück zum Parkplatz Rosshütte. Ich musste nur drei Minuten auf eine Mitfahrgelegenheit warten. Ein Dank an die junge Fahrerin aus „STA“. Offenbar habe ich einen vertrauenswürdigen Eindruck gemacht. LOL.
Blick auf den Panorama-Klettersteig (Seefelder Spitze)
Spektakuläre Eindrücke
Notabstieg ins Reither Kar
Spannender Kamin
Maximaler Schwierigkeitsgrad C
Blick zur Seefelder Spitze
Reither Kar mit Haymon-Klettersteig
Ziegenherde nach dem Klettersteig
Härmelekopf, 2224 m
Querung vor der Reitherspitze
Blick ins Reither Kar
Seefeld und die Hohe Munde
Die schöne Reitherspitze
Gebetsfahnen vor der Nördlinger Hütte
Da kommt Nepal-Feeling auf
Blick zurück zur Reitherspitze
Erwischt!
Gams-Herde vor der Eppzirler Alm
Blick zum Ursprung-Sattel
Wildes Karwendel
Eppzirler Alm, hinten die Große Arnspitze
Die Eppzirler Alm am Talende
Blick zurück zum Talende
Kurz vor Gießenbach, Große Arnspitze
Sona und Portal aus Dragnak