Bergtouren

Stuibenkopf und Stuibensee

Blick hinüber zur Stuibenspitze und zum Stuibenkopf
Frank Rösner – ZUM NACHREISEN Sonntag, 14. Juni 2026 von Frank Rösner – ZUM NACHREISEN

Schwierige Wegfindung und viel Einsamkeit

Wenn man in Garmisch-Partenkirchen nach Süden schaut, fällt der Blick auf die Partenkirchner Dreitorspitzen und die Alpspitze. Dazwischen, etwas unscheinbar, spitzt die Stuibenspitze heraus. Dahinter verborgen liegt der Stuibenkopf, ein beliebter Skitourenberg. Um mich für den Winter vorzubereiten, habe ich mir deshalb den Stuibenkopf einmal im Sommer anschauen wollen.

Mit der Kreuzeckbahn schwebte ich hinauf zum Startpunkt am Kreuzeck auf 1651 m. Natürlich kann man das auch laufen, aber das kannte ich schon zur Genüge. Auch mit dem Mountainbike bin ich schon mehrmals auf den Hausberg gefahren, sogar bis zum Kreuzeck und einmal auf den Osterfelderkopf.

Gleich am Start blickt man hinüber zur Stuibenspitze, die vor den Felswänden zwar spitz, aber dennoch unscheinbar wirkt. Man muss schon wissen, welche Spitze die Stuibenspitze ist.

Man läuft zunächst nach Süden auf die Alpspitze zu. Am Anfang des Ziehwegs zur Hochalm zweigt der Bernadeinsteig nach nur 600 Metern links ab Richtung Bernadein/Stuiben (KE5). Der schmale Weg führt am Hang entlang zur (privaten) Bernadeinhütte. Im Rücken liegt gegenüber das Kreuzjoch. Man passiert im Wald den Bernadeinlift kurz oberhalb der Talstation und die Abzweigung zum Stuibensee. Rechts zwischen den Bäumen ist die senkrechte Bernadeinwand zu sehen, dahinter die Alpspitze. Der Mauerläufer-Klettersteig am Bernadeinkopf gehört zu den schwierigsten Klettersteigen der nördlichen Alpen. Immer wieder werden dort Klettersteiggeher mit dem Rettungshubschrauber abgeholt, weil sie sich überschätzt haben.

Der LVS-Checkpoint verriet, dass kurz darauf nach rechts die Aufstiegsroute für Skitourengeher folgen sollte. Da wusste ich noch nicht, dass ich von dort später herunterkommen sollte.

Ich hielt mich links Richtung Stuibenhütte. Bis zur Stuibenhütte auf 1635 m war alles kein Problem. Hinter der Stuibenhütte war dann allerdings kein Weg mehr auszumachen, was mich überraschte. Aber das Gelände war harmlos und deshalb suchte ich mir einen Weg hinauf, wobei ich nicht genau wusste, was nun der Stuibenkopf sein sollte. Und so landete ich erst dahinter auf dem Mauerschartenkopf (1919 m). Hinter dem Mauerschartenkopf fällt das Reintal steil ab. Vom Mauerschartenkopf ging ich hinüber zum eigentlichen Ziel, dem Stuibenkopf (1924 m).

Vom Mauerschartenkopf bzw. Stuibenkopf reicht der Blick von der Wettersteinwand über den Musterstein bis zu den Dreitorspitzen. Links davon in der Scharte ist die Meilerhütte auszumachen. Es folgen Schüsselkarspitze, Scharnitzspitze, Oberreintalschrofen, Hinterreintalschrofen und Hochwanner. Hinten im Tal liegt das Gatterl mit der Plattspitze. Schließlich folgen Hoher Gaif und Hochblassen und zuletzt die Alpspitze.

Den Stuibenkopf ziert leider kein Gipfelkreuz (nur ein Selbstgebasteltes). Die Stuibenspitze (1908 m) gegenüber besitzt immerhin ein Marterl, an dem die Gebetsfahnen befestigt sind. Ich stieg also etwas steil hinab in die Scharte zur Stuibenspitze, wo ich mich kurz umschaute, ob ich einen Weg hinauf zum Gipfelkreuz finden würde. Wahrscheinlich wäre es kein Problem gewesen, aber ich war allein und deshalb verzichtete ich auf diese Kraxelei. Durch den Latschengürtel gibt es meines Erachtens keinen Weg. Stattdessen stieg ich hinter der Scharte hinab Richtung Stuibensee. Dieser Abstieg über steiles Schrofengelände mit Schotter und Gras war etwas happig, vor allem, weil ich allein unterwegs war. Der Rest einer toten Gams, nämlich ein Beinknochen, mahnte zur Vorsicht. Der bessere Weg hätte nicht über die Scharte, sondern hinter dem Stuibenkopf herumgeführt. Aber den Umweg wollte ich nicht gehen.

Schließlich landete ich an der Abzweigung zum Stuibensee, von wo ich mir offenbar einen Weg zwischen den Felsen hätte suchen müssen. Und wieder war das Hauptproblem, dass ich allein unterwegs war. Ich konnte auch nicht abschätzen, wie lange ich benötigen würde, mit GPS-Hilfe einen Weg zum Stuibensee zu finden. Hätte ich mich verstiegen, hätte ich vielleicht die letzte Bahn am Kreuzeck verpasst.

Deshalb entschied ich abzubrechen und durch das vor mir liegende Tal nach Norden abzusteigen. Nur vereinzelt war ein Weg zu erkennen. Meistens fand ich nur wegloses Gelände vor. Aber in der Ferne konnte ich einen Forstweg ausmachen und es konnte ja auch nur in diese Richtung nach unten gehen.

Wie oben bereits erwähnt, kam ich genau an der Abzweigung der Aufstiegsroute für Skitourengeher wieder heraus, so dass mir jetzt der Weg auf den Stuibenkopf für den Winter bekannt ist.

Ich wandte mich nach links und machte mich auf den Rückweg. Natürlich wurmte es mich, dass ich es nicht zum Stuibensee geschafft hatte. Als ich an der Abzweigung zum Normalweg zum Stuibensee vorbeikam, entschied ich deshalb, diesen Gewaltmarsch auch noch auf mich zu nehmen. Aber ich musste mich sputen, um die letzte Talfahrt der Kreuzeckbahn nicht zu verpassen. In nur 45 Minuten hetzte ich hinauf zum Stuibensee auf 1921 m. Ich verbuche das unter Konditionstraining. Am Ziel hielt ich mich nicht lang auf und rannte den Aufstiegsweg wieder hinunter. Nach nur 30 Minuten war ich wieder an der Abzweigung zum Bernadeinsteig Richtung Kreuzeck. Unterwegs traf ich auf einen einsamen Alpensalamander. Ein zweites Exemplar konnte ich nicht entdecken, ganz im Unterschied zu meiner ersten Tour auf die Große Klammspitze, als ich 21 (!) Alpensalamandern begegnete.

Fazit: Insgesamt waren es 1130 Höhenmeter und ich war 6 Stunden unterwegs. Die Stuibenhütte ist im Sommer geschlossen, es ist nur eine Selbstversorgerhütte im Winter. Wasser zum Nachfüllen gibt es unterwegs kaum, allenfalls später der Stuibensee mit Wasserfilter.

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