Sonntag, 9. August 2026 von Frank Rösner – ZUM NACHREISEN
Auf den höchsten Gipfel der Vilsalpseeberge
Die Leilachspitze ist mit 2274 m der höchste Gipfel der Vilsalpseeberge und weniger stark frequentiert. Es war die Idee von Paul, meinem Begleiter, der hierzu extra von Würzburg angereist ist. Ich hatte die Leilachspitze nicht auf dem Schirm.
Wir trafen uns um 6 Uhr am Parkplatz West in Tannheim im Tannheimer Tal. Dort ließen wir ein Auto stehen und fuhren gemeinsam zum kleinen, aber kostenlosen Wanderparkplatz (GPS 47.463920, 10.611162) im Weiler Rauth oberhalb des Gaichtpasses auf 1140 m. Auf diese Weise wurde die geplante Überschreitung der Leilachspitze möglich. Wenn man allein unterwegs ist, kann die Überschreitung auch mit dem Wanderbus Tannheimer Tal realisiert werden. Aber das ist natürlich aufwendiger.
Um 6:45 Uhr machten wir uns auf den Weg, zunächst durch das Birkental. Die Beschilderung verwies auf den langen Weg: 5 Stunden bis zum Gipfel. Nach einer halben Stunde zweigt halblinks ein schmaler Pfad ins Krottental ab. Aber die Beschilderung ist gut, das kann nicht übersehen werden.
Der weitere Zustieg ist durchaus anspruchsvoll und kann bei Nässe auch riskant sein. Ein schmaler Steig überwindet den Tobel des Krottenbachs, ein tief eingeschnittenes Tal. Hier darf man nicht stolpern, die Hänge fallen fast senkrecht in die Schlucht ab. Aber es gibt auch Seilversicherungen.
Nett ist die Brücke über den Weißenbach, danach führt der Steig hinauf zum sogenannten Weißenbacher Notländer Kar. Die Leilachspitze ist erstmals nach etwa 2 Stunden zu sehen. Es geht durch Latschengelände und schließlich steht man vor einer imposanten Felswand.
Um auf die Leilachspitze zu gelangen, muss zunächst ein Schuttkegel überwunden werden. Spätestens hier sollte der Helm aufgesetzt werden. Denn es beginnt die Kraxelei, man muss die Hände zu Hilfe nehmen und damit rechnen, dass von oben Steine losgetreten werden. Oben angekommen führt der Nordgrat zum Gipfel, mit einer Felsrinne direkt unterhalb des Gipfelkreuzes. Die Zeitangabe von 5 Stunden haben wir fast erfüllt.
Nachdem bereits im Aufstieg die Krinnenspitze (hatte ich mal als Bike&Hike-Tour gemacht) und das Galtjoch zu sehen sind, ist der Rundumblick vom Gipfel spektakulär. Der Hochvogel erscheint zum Greifen nah. In der Ferne sind Widderstein und Hoher Ifen beim Kleinwalsertal auszumachen, sowie Großer Krottenkopf (2656 m) und Hohes Licht in den Allgäuer Alpen. Im Norden grüßen Rauhhorn, Gaishorn und Einstein sowie im weiteren Verlauf der Tannheimer Berge Gimpel, Kellenspitze, Gehrenspitze und Gaichtspitze. In den Ammergauer Alpen konnte ich Säuling, Hochplatte und die Kreuzspitze erkennen. Die Zugspitze ragt hinter dem Thaneller heraus. Im Süden zeigte meine App die üblichen „Verdächtigen“: Parseierspitze und Hoher Riffler (Verwall).
Der Abstieg von der Leilachspitze nach Südwesten hatte es in sich. Diese Seite ist schwieriger als der Aufstieg von Norden. Unangenehme Felsstufen und das viele lose Gestein erfordern hohe Konzentration. Der Pfad passiert dann die Krottenköpfe (Luchsköpfe) südseitig bis zur Krottenkopfscharte, auch Lechtaler Scharte. Hier hätten wir direkt zur Landsberger Hütte gehen können, hielten uns aber links. Denn eigentlich hatten wir vor, noch die Lachenspitze (2126 m) mitzunehmen. Aufgrund der fortgeschrittenen Zeit verzichteten wir jedoch auf die Lachenspitze und umrundeten diese lediglich über die Steinkarscharte. Die Pause mit Suppe, Weißbier und Buttermilch auf der Landsberger Hütte (1810 m) hatten wir uns redlich verdient, mit einem herrlichen Blick auf die Nordwand der Lachenspitze (Klettersteig). Unterhalb der Landsberger Hütte erfrischten sich zahlreiche Rinder an der Lache, die auffällig wenig Wasser führte.
Der Abstieg von der Landsberger Hütte ist noch einmal wunderschön. Der Traualpsee strahlte uns an und dahinter posierte das Gaishorn. Der Steig hinunter zum Vilsalpsee ging dann aber in die Knochen und wir hatten keine Lust mehr, die vier Kilometer nach Tannheim zu laufen. Glücklicherweise fährt vom Vilsalpsee ein Bähnchen nach Tannheim, der Tannheimer Alpenexpress. Alternativ gibt es auch einen normalen Linienbus. Im offenen Bimmelbähnchen wehte aber ein leichter Wind, was nach der anstrengenden Tour willkommen war.
Vom Kreisverkehr in Tannheim hatten wir noch einen Kilometer zum Parkplatz West zu laufen. Von dort fuhren wir zum Wanderparkplatz in Rauth, um das zweite Fahrzeug abzuholen. Abkühlung versprach danach der Haldensee. (Parken 2 Euro für eine Stunde, GPS des Parkplatzes: 47.490012, 10.566542; GPS der Badestelle: 47.489519, 10.570407).
Fazit: Die Leilachspitze ist kein Spaziergang, nicht einmal eine Wanderung. Sie erfordert hohe Trittsicherheit, sonst ist zumindest ein schmerzhafter Sturz vorprogrammiert. Mit Pausen waren wir über 10 Stunden unterwegs, bei ca. 1350 Höhenmetern. Man sollte mindestens zwei Liter Wasser mitnehmen, denn bevor man die Landsberger Hütte gibt es keine Einkehrmöglichkeit.
Interessanter Zustieg via Krottenbach-Tobel
Nette Überquerung des Weißenbachs
Erster Blick auf die Leilachspitze
Leilachspitze und Schuttkegel (Aufstiegsroute)
Imposante Felswand und Leilachspitze
Im Schuttkegel
Der Gipfelaufbau
Weißenbach und Thaneller, dahinter die Zugspitze
Der Hochvogel zum Greifen nah
Einstein, Gimpel, Gehrenspitze und Kellenspitze im Hintergrund
Berg Heil!
Die letzten Meter
Die Lachenspitze (Klettersteig)
Landsberger Hütte und Schochenspitze (2069 m)
Die Lachenspitze
Blick zurück zur Leilachspitze
Passage unterhalb der Krottenköpfe
Lustige Begegnung am Wegrand
Die Lache als Kuhtränke
Erinnert irgendwie an die Seceda
Gaishorn, Traualpsee und Einstein
Weißbier und Buttermilch auf der Hütte
Traualpsee und Lachenspitze (Klettersteig)
Gaishorn und Vilsalpsee
Die Lachenspitze (links hinten) vom Vilsalpsee