Sonntag, 17. Mai 2026 von Frank Rösner – ZUM NACHREISEN
Spannende „Winterbegehung“
Die Friederspitz ist der westliche Nachbar der Kramerspitze. Im Unterschied zu vielen anderen Gipfeln in den Ammergauer Alpen hat mich die Friederspitz aber bisher nicht besonders angezogen, was wohl auch der Lage geschuldet ist. Wenn schon dieser Hatsch, dann fand ich die Schellschlicht nebenan spannender. Und über den Rotmoossattel ist es auch ein weiter Weg auf die Friederspitz.
Wie dem auch sei, heute suchte ich ein Ziel in der Nähe und da fiel mir ein, dass die Friederspitz noch in meinem Repertoire der Ammergauer Alpen fehlte.
Im Sommer mag die Friederspitz einfach sein, wenngleich man gut zu Fuß sein muss. Aber letzte Woche hat es nochmal fest geschneit und so stellte ich ziemlich schnell fest, dass im oberen Bereich und in der Scharte vor dem Gipfel noch einiges an Schnee lag, mindestens 20 cm. Aber ich hatte ja alles dabei: Grödel, Biwaksack, InReach Mini 2 usw.
Vom kostenlosen Parkplatz an der Ochsenhütte, kurz nach dem Bahnübergang zwischen Grainau und Griesen, wandert man erst ein Stück den Forstweg hoch. Vor allem im Sommer sollte man aufgrund der Südlage genug Wasser mitnehmen. Eine Einkehrmöglichkeit gibt es nicht. Ausgeschildert ist die Friederspitz mit 4 Stunden. Dann orientiert man sich links ins ursprüngliche Friedergries, Weg Nr. 253. Erst geht es entlang des Schwarzenbachs. Vor der Friederlaine führt der Steig zur Friederspitz rechts nach oben. Das heißt angeblich „Prinzregentensteig“, wie ich gelesen habe. Ein entsprechendes Schild fand sich aber nicht. Der Einstieg ist m. E. nicht ausgeschildert, jedenfalls habe ich nichts gesehen. Deshalb bin ich auch erst etwas herumgeirrt, bis mich meine App auf den richtigen Weg geführt hat.
Der schöne Steig durch den Wald zieht sich. Aufpassen muss man bei den Querungen steiler Wiesen. Die Hänge haben durchaus 40 Grad. Bei Nässe ist das nicht zu unterschätzen.
Der Schnee auf dem Steig nahm kontinuierlich zu, bis es eine geschlossene Schneedecke war. Zum Glück entdeckte ich eine Spur vor mir. Die Fußspuren waren recht frisch. Weil tags zuvor das Wetter nicht gut war, muss die Spur von heute gewesen sein. Ich folgte dankbar der Spur, denn ich kannte den Sommerweg nicht. Natürlich hätte ich mich auch an dem heruntergeladenen gpx-Track orientieren können, aber das mag ich nicht so, zumal GPS oftmals ungenau ist und ich allein unterwegs war.
Das Wetter war durchwachsen. Nur gelegentlich kam die Sonne durch, dann aber reflektierte die riesige Schneefläche vor dem Gipfel das Licht extrem. Die tiefhängenden Wolken zauberten dramatische Bilder aufs Smartphone.
Unterwegs fiel der Blick hinüber zur Schellschlicht, die ich bereits zwei Mal bei Schnee bestiegen hatte, zum Kreuzspitzl und zur Kreuzspitze. Dahinter spitzen die Geierköpfe heraus, eine der letzten Gipfel in den Ammergauer Alpen, die mir noch fehlen. Und im Süden natürlich der Eibsee und die Zugspitze.
Am Gipfel auf 2049 m mit seinem schlichten Gipfelkreuz traf ich auf den Wanderkollegen aus München, der dankenswerterweise die Spur gelegt hatte.
Rundum erblickte ich viele bekannte Gipfel: Den Teufelsstättkopf beim Pürschling, das Hörnle, das Kienjoch und den Vorderen Felderkopf und den Krottenkopf im Estergebirge. Die Hochplatte spitzte rechts hinter der Kreuzspitze hervor.
Auf der anderen Seite liegen der Daniel, der Thaneller, das Gaishorn und die Kellenspitze. Diese Aufzählung ist kaum vollständig. Eine größere Fernsicht verhinderten an diesem Tag die Wolken.
Die halbe Stunde hinüber zum vier Meter höheren Frieder (2053 m) haben wir uns geschenkt. Im Sommer hätte ich den Frieder auf jeden Fall noch mitgenommen.
Für den Abstieg wählten wir den Weg nach Osten zum Rotmoos-Sattel, auf den ich mich mit dem Mountainbike bei der Umrundung der Kramerspitze schon mehrfach hinaufgequält habe. Zuerst musste im Schnee wieder der Weg gefunden werden, aber dafür hatte ich ja meinen Münchner Kollegen, der vor mir abstieg und die Spur legte. Aber schon bald nach der unbewirtschafteten Friederalm wurde es weniger Schnee.
Auf dem Schotterweg vom Rotmoos-Sattel zur Ochsenhütte kamen dann einige Mountainbiker entgegen. Die eine Stunde Forstweg zum Ende der Tour lässt sich bei der gewählten Rundwanderung leider nicht vermeiden. Den gleichen Weg zurück zum Friedergries wollte ich nicht gehen. In der Verlängerung des Forstwegs fällt der Blick zuerst auf den Daniel, später auf die Zugspitze.
Fazit: Aufgrund der Schneelage war es eine nicht minder spannende Tour, die für die Jahreszeit aber risikolos absolviert werden konnte. Aber ich wäre wahrscheinlich umgedreht, hätte der Kollege aus München nicht gespurt. Nicht, weil es schwierig gewesen wäre, aber wenn man allein unterwegs ist und keinen Weg sieht, muss das ja nicht unbedingt sein. Deshalb fand ich die Leistung des Münchner Kollegen wirklich respektabel. Insgesamt war ich 7½ Stunden unterwegs, für knapp 1300 Höhenmeter, jedenfalls laut App. Wenn es irgendwann mal passt, werde ich auch auf den benachbarten Frieder gehen, dann aber als Bike & Hike und vielleicht von Graswang aus.
Bilder-Galerie
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Schellschlicht beim Aufstieg -
Eibsee und Zugspitze in den Wolken -
Blick hinüter zum Daniel -
Gleich geschafft! -
Erster Blick zum Gipfelkreuz -
Dramatische Eindrücke -
Blick hinüber zum Frieder -
Schellschlicht, Kreuzspitzl und Kreuzspitze -
Kienjoch und Vorderer Felderkopf -
Dramatik pur. Im Hintergrund der Thaneller -
Schlichtes Gipfelkreuz -
Zufrieden -
Blick hinunter zum Rotmoos-Sattel -
Und jetzt die Zugspitze im Visier -
Rückweg vom Rotmoos-Sattel, den Daniel im Blick