Samstag, 4. Juli 2026 von Frank Rösner – ZUM NACHREISEN
Auf das Matterhorn von Ehrwald
Ja, die Überschrift ist nicht aus der Luft gegriffen. Wer die Ehrwalder Sonnenspitze (2417 m) noch nie gesehen hat und von Garmisch-Partenkirchen kommend nach Ehrwald fährt, denkt unweigerlich an das Matterhorn.
Im Oktober 2014 war ich bereits einmal auf der Ehrwalder Sonnenspitze, damals mit meinem Freund Stephan, der im letzten Jahr nach langer schwerer Krankheit leider verstorben ist. Seitdem habe ich immer wieder daran gedacht, noch einmal auf die Sonnenspitze zu steigen. Deshalb habe ich die heutige Tour Stephan gewidmet, dem ich sehr dankbar bin. Wir haben uns einst als Komparsen bei der Fernsehserie Garmisch Cops kennengelernt und danach mehrere tolle Bergtouren zusammen unternommen, außerdem waren wir zusammen Tauchen im Walchensee, Blindsee und Plansee. R.I.P., lieber Stephan.
Die Anregung zur heutigen Tour kam über eine Facebook-Gruppe zu aktuellen Tourenbedingungen zustande. Für mich war das die Gelegenheit, noch einmal auf die Ehrwalder Sonnenspitze am westlichen Ende der Mieminger Kette zu steigen. Danke, Nils, fürs Organisieren. Denn die Sonnenspitze wollte ich nicht wie sonst im Alleingang unternehmen.
Wir trafen uns um 5:30 Uhr am kleinen, aber kostenlosen Parkplatz „Hoher Gang“ in Ehrwald (Adresse: Kuhmühle, Ehrwald, GPS 47.390220, 10.931198). Von dort ging es gleich über den anspruchsvollen und teilweise seilversicherten Steig „Hoher Gang“ hinauf zum Seebensee (1657 m). Die Sonnenspitze spiegelte sich fantastisch im glasklaren Wasser. Allerdings war das Wasser nicht so spiegelglatt wie 2014. Damals spiegelte sich die Zugspitze fantastisch im Seebensee (siehe Fotos unten). Vorbei am Seebensee erreichten wir in Serpentinen die Coburger Hütte (1917 m). Leider war es zu früh für eine Einkehr. Nach einer kurzen Pause querten wir hinüber zum Fuß der Ehrwalder Sonnenspitze in Richtung Biberwierer Scharte. Nach etwas Zickzack über ein Schotterfeld begann die Kletterei.
Ich sage es gleich vorweg: Die Kletterei auf die Ehrwalder Sonnenspitze ist vom Anspruch her mein Limit. Schwieriger möchte ich es frei kletternd nicht haben. Wenn, dann nur mit Bergführer, der mich sichert. Denn beim Aufstieg von der Südseite sind ein paar Stellen dabei, da darf man nicht aus Versehen abrutschen. Das könnte sehr böse enden. Nach UIAA ist der Aufstieg zwar nur mit Stufe II angegeben. Das T5 bis T6 von SAC (sehr ausgesetzt, Kletterstellen bis II) kommt der Sache da schon näher. In Ansätzen hatte es wohl etwas von Jubiläumsgrat, den ich aber nicht machen werde. Ich habe den Aufstieg zur Sonnenspitze zwar gut gemeistert, aber wenn es noch schwerer wäre, wäre ich bald überfordert. So hat es aber noch gepasst und ich kenne jetzt exakt mein Limit. Seltsam ist, dass ich die Tour von 2014 in ganz anderer Erinnerung habe. Während ich es damals sehr anstrengend empfand, war die heutige Tour für mich kaum anstrengend. Dafür kam mir die Kletterei damals leichter vor, ich hatte nur die schmalste Stelle noch im Hinterkopf (siehe Fotos unten). Ist eben alles Kopfsache. Nicht nur deshalb ist ein Helm bei dieser Tour unverzichtbar!
Vom Fuß der Sonnenspitze bis zum Gipfel ist es eine fast durchgehende Kletterei unter Zuhilfenahme der Hände mit einigen Seilversicherungen. Ein Klettersteig ist das aber nicht, obwohl es manchmal durchaus sinnvoll gewesen wäre, sich einzuhängen.
Spannend ist dann noch einmal der kurze Gipfelgrat vom Vorgipfel hinüber zum Gipfelkreuz mit einem kleinen Aufschwung, der überklettert werden muss. Auch da hieß es noch einmal „volle Konzentration“.
Vom Gipfel hat man einen eindrucksvollen Tiefblick auf den Seebensee, auf Lermoos und Ehrwald sowie auf den Weißensee, den Blindsee und den Mittersee vor dem Fernpass.
Im Rundum sind die Gipfel von Grünstein, Wannig, Heiterwand, Hohes Licht, Namloser Wetterspitze, Loreakopf, Hochvogel, Großer Daumen, Gaishorn, Thaneller, Daniel, Geierköpfe und Kreuzspitze auszumachen – und natürlich die mächtige Zugspitze im Nordosten gegenüber.
Beim Abstieg entschieden wir uns für die einfachere Nordseite, aber das war eigentlich schon von vornherein klar. Die Südseite eignet sich für den Abstieg nämlich nicht gut. Da der Aufstieg schon nicht einfach ist, müsste man beim Abstieg sehr aufpassen. Auf der Nordseite mussten zwar auch steile Geröllfelder durchstiegen werden, aber es war gut machbar und bald ging der Steig in Gehgelände über.
Schließlich landeten wir wieder am Seebensee, wo wir zwar nicht mehr alleine waren, aber wenigstens die Füße kühlen konnten.
Danach kehrten wir noch in der nahen Seebenalm ein, wo ich mir einen Apfelstrudel und eine Fruchtbuttermilch gönnte. Die Buttermilch war ganz frisch, das konnte ich schmecken.
Abschließend wurde es noch einmal leicht anspruchsvoll, denn der Immensteig hinunter zum großen Parkplatz der Ehrwalder Almbahn ist bisweilen ziemlich steil und sogar seilversichert. Zum Glück war es trocken. Bei Nässe ist dieser Steig kein Vergnügen.
Von der Ehrwalder Almbahn sind es über den Alt Mühlen Steig nur noch wenige Meter zurück zum Parkplatz.
Fazit: Mit Pausen waren wir fast 11 Stunden unterwegs, aber die Pausen waren auch länger. 8 bis 9 Stunden muss man für diese Tour aber schon mindestens einplanen. Die Orientierung war nicht schwierig. Mein Touren-Computer maß 1570 Höhenmeter, die ich aber kaum anstrengend empfand. Wir haben uns aber auch Zeit gelassen. Die einzelnen Strecken: Parkplatz - Seebensee (ca. 1½ Stunden über Hoher Gang), Seebensee - Coburger Hütte (ca. 45 Minuten), Coburger Hütte - Sonnenspitze (ca. 2 Stunden), Sonnenspitze - Seebensee (ca. 1½ Stunden), Seebenalm - Immensteig - Tal (ca. 1 Stunde).
Bilder-Galerie
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Das Ziel am frühen Morgen -
Tolle Spiegelung im Seebensee -
Die Ehrwalder Sonnenspitze im Seebensee -
Anspruchsvolle Kletterei -
Die Sonnenspitze im Visier -
Blick zurück zum Seebensee -
Leider zu früh für eine Einkehr -
Der Drachensee an der Coburger Hütte -
Bitte keine Fehler machen -
Weißensee, Blindsee und Mittersee -
Blick auf den Wannig (Mitte) -
Die schmalste Stelle -
Der Gipfelgrat -
Blick hinüber zur Zugspitze -
Tiefblick auf den Seebensee -
Letzter Aufschwung am Gipfelgrat -
Der Gipfelgrat -
Lermoos und Ehrwald, dahinter der Daniel -
Glücklich und zufrieden -
Gipfelkreuz mit Zugspitze -
Tiefblick auf den Seebensee -
Füße kühlen im Seebensee -
Blick zurück zur Sonnenspitze -
Seebensee und Drachensee mit Coburger Hütte -
Abstieg über die Nordseite -
Was los am Seebensee -
Geschafft! Der Blick zurück -
Die Zugspitze spiegelt sich im Seebensee (Okt 2014)